Truck


“Truck”, Erwin Wurm (AT)


Da schmilzt die Realität, da biegt sich die Wahrheit: Ein knallroter Lastwagen fährt an der Wand des Orpheums rückwärts hoch. In der Mitte elegant nach oben gebogen, scheint der Truck sein Gewicht mühelos zu überwinden und sich an die Form des Gebäudes anzupassen. Infolge seiner körperlichen Verzerrung erhält das Nutzfahrzeug skulpturalen Charakter, seine Funktion tritt hinter der artistischen Gestalt zurück. Doch nicht nur der Anblick des Fahrzeugs erscheint paradox: Von ihrer originären Bedeutung losgelöst ist auch die Hausfassade der Grazer Spielstätte. Von dem LKW als nächtlicher Parkplatz in Anspruch genommen, erscheint die Wand weniger als Schutzhülle für einen Innenraum denn als Bühne für die Kunst.

Erwin Wurm, geboren 1954, lebt und arbeitet in Wien und in Limberg/Niederösterreich. In den 1990er Jahren erreichte Erwin Wurm mit seinen „One Minute Sculptures“ die Aufmerksamkeit des Kulturpublikums. Erwin Wurms vielschichtiges Werk umfasst Performance, Video, Fotografie, Zeichnung und die klassische Skulptur in miteinander verbundener und sich gegenseitig bedingender Weise. Den Begriff der Skulptur versteht Wurm im prä-modernen Sinne als Spiel mit Masse und Volumen. In diesem Sinne verformt er mit Vorliebe Alltagsgegenstände. Mit seinen aufgeblasenen Häusern, verbogenen Autos und seinen partizipatorischen »One Minute Sculptures« hinterfragt er ironisch das Erscheinungsbild von Statussymbolen und die Bedeutung von gesellschaftlichen Konventionen.

Technische Umsetzung: Das Team der Grazer Spielstätten


„Mein Werk handelt vom Drama der Belanglosigkeit der Existenz. Ob man sich ihr durch Philosophie oder durch eine Diät nähert, am Ende zieht man immer den Kürzeren“
– Erwin Wurm